Von Gastschreiber: Hans Blazejewski
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Diagnose: Bunkermentalität bei Niedersachsens Volksvertretern
In Hannover hat es einen Narrenbunker, in dem die Vertreter ihrer Zunft über dies und das befinden. Dort steigen sie in die Bütt um von oben herab dem maulaffenfeihaltenden Volk ihre Narreteien zu verkünden.
Nachdem sie dieses nun mehr als 40 Jahre lang so gehalten haben, ergab es sich, daß einer der ihren in die Bütt ging und lautstark rief: Ich will hier raus. Ich will nicht mehr in einem Bunker mein Narrenzepter schwingen müssen.
Hört hört riefen da alle anderen und nickten mit ihren greisen Köpfen.
Sofort kam ein Saaldiener und nahm dem Schreihals die Bütt weg in der irrigen Annahme, er habe sich dort verkeilt.
Nein nein, schrie der Schreihals. Ihr nehmt die falsche Bütt. Ich meine doch unseren Bunker.
Au ja, au ja riefen da alle durcheinander und klatschen wie närrisch in die Hände.
Und so kommt es, daß nun in Niedersachsen unsere Herren und Damen Volksvertreter in ihrer Mehrheit der Meinung sind, sie hätten genug von fensterlosen Bunkern und überhaupt, man leide ja schon an der sehr verbreiteten Bunkermentalität.
Ein Aufstand von Hannover über Peine – Paris – Lamme bis nach New York brach aus.
Weg mit dem fensterlosen Plenarsaal. Her mit dem neuen Landtag.
Aber nein! Der Bunker ist doch von einem Stararchitekten.
Interessiert uns nicht, der muß ja hier keine bürgerferne Reden schwingen.
Ja, und was das alles kostet. Wollen wir aber haben, rufen sie abermals und stampfen dabei trotzig mit den Füßen auf.
Wenn Sie meinen, liebe Leser, dies sei aus einer Büttenrede im hiesigen Karneval, da liegen sie aber falsch. Alles echt. Bitterer Ernst.
Wenn ich dann die Aufmacher der hiesigen Tageszeitung von heute lese, da könnte ich doch glatt zum Narren werden.
Linke Spalte: Große Mehrheit ist für den Umbau. Und: 42 Millionen geschätzte Euronen soll es kosten. Weiter lesen wir, auch Online, unter
http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/Mitte/Grosse-…
Zitat:
Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) beklagte sich, dass sich Befürworter des Landtagsumbaus öffentlich zu sehr zurückhielten, während vor allem die Gegner die Leserbriefspalten füllten. Er empfahl, auch die Stadt Hannover in die Jury für den bevorstehenden Wettbewerb einzubinden. „Es geht schließlich darum, eine städtebauliche Bereicherung zu schaffen.“ Die Stadtverwaltung sei hier „sehr aufgeschlossen“.
Zitat Ende.
Ach der Oberbauherr, seht wie er weint, über die Undankbarkeit der schweigenden Minderheit. Wie er sich beklagt. Lauter Gegner, soweit man sehen kann. Hallo Herr Dinkla: Kann es sein, daß es außer euch paar Hanseln keine Menschen gibt, die in diesen Zeiten so mal eben geschätzte 42 Millionen rausschmeißen? Mal abgesehen von den Bänkern, über die ja so manch garstig Bänkerlied „in diesen Zeiten“ gesungen wird.
Ach ja, dann auch noch der Minister für das Wissen. Hier sein Weichei-Statement:
“Auch ein Denkmal könne „aus überwiegendem öffentlichen Interesse“ abgerissen werden. Voraussetzung sei nur, dass man das Für und Wider gründlich abwäge. Dies geschehe zur Zeit”,
soll er gesagt haben.
Vielleicht hat er ja mit „zur Zeit“ die karnevalistische gemeint.
Geben wir dieser meiner Geschichte die richtige Würze indem wir schnell noch auf die Hauptnachricht unserer heutigen Zeitung schielen. Steht gleich neben der Bunkermeldung auf gleicher Augenhöhe. Conti macht Milliardverlust. Im Text erfahren wir dann von einem Minus von 1,1 Milliarden Euro. Grund für die roten Zahlen ist der Wertverfall einzelner Bereiche.
Ihr Bunkerhocker. Toll wie ihr das Volk vertretet. Ja schämt Ihr Euch gar nicht? Wißt Ihr nicht daß die geschätzten 42 Millionen Euro nicht aus euren Geldkatzen stammen? Baut Euch doch Euer Narrenschiff aus Eurem Privatvermögen. Schande über Euch.
Pfui Teufel.
Herr laß Hirn regnen. Bitte sende uns ganz schnell Jesus und seine Apostel zum Ausmisten dieses zum Himmel stinkende Augiasstalles. Oder wir machen es selbst bei den nächsten Wahlen. Dann zeigen wir euch die rote Karte. Dann lassen wir euch wissen, was wir von eurem Werteverfall halten.
Geschrieben hat Ihnen dies
Hans Blazejewski, im Angesicht des Bunkers

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